Galileo Satellitennavigation

Das europäische Satellitennavigationssystem Galileo ist im Dezember 2016 an den Start gegangen und kann erstmal von Anwendern genutzt werden. Bisher sind 18 der geplanten 30 Satelliten im Weltall, die restlichen sollen bis 2020 folgen. Laut EU-Kommission soll Galileo fortan genauere Signale senden als der US-Konkurrent GPS
(Global Positioning System), und soll Europa in Sachen Satellitennavigation fortan unabhängig machen.

Im Zeitalter der Gloablisierung und fortschreitenden Vernetzung der gesamten Welt, wird auch das Satellitensystem immer wichtiger und bietet viele neue Zukunftsfelder.

Zukunftsfelder

Transport und Verkehr

Das Transportwesen mit den Segmenten Luft- und Seefahrt sowie Schienen- und Straßenverkehr wird besonders von den zukünftigen Galileo Anwendungen profitieren. Die Sicherheit des stetig zunehmenden Flugverkehrs lässt sich ebenso verbessern, wie die Navigation auf Wasserwegen und zu Lande. Gerade im Straßenverkehr wird es weitere Veränderungen geben. Während bisher der Fokus auf Navigations- und Mautanwendungen liegt, werden zukünftig Galileo-Anwendungen die Fahrer frühzeitig vor Staus, Gefahrenstellen oder schlechten Straßenbedingungen warnen. Außerdem werden Logistikunternehmen mit Galileo den Warentransport optimieren. Wie schnell sich Märkte entwickeln, zeigen die Verkaufszahlen bei der Fahrzeugnavigation: Während im Jahr 2004 in Europa lediglich fünf Millionen Fahrzeuge mit einem Navigationssystem ausgestattet waren, stieg diese Zahl im Jahr 2005 auf zwölf Millionen Fahrzeuge. Zu einem enormen Markt werden sich Galileo-Anwendungen im Freizeitbereich entwickeln. Bereits verbreitete Endgeräte machen in der Kombination mit der Satellitennavigation neue Funktionen möglich. Der Markt der so genannten PNAs (Personal Navigation Assistent) auf GPS-Basis zeigt seit 2006 enorme Zuwachsraten. So können beispielsweise Jogger und andere Ausdauersportler Geschwindigkeit, Höhendifferenz und Streckenlänge genau dokumentieren. Weiter ist denkbar, dass exakt festgelegte Treffpunkte für Verabredungen überflüssig werden: Da die genaue Position des Partners angezeigt wird, finden sich auch ortsunkundige Wanderer im offenen Gelände und ein Fußgänger in einer belebten Innenstadt kann direkt dort ins Auto steigen, wo der Fahrer gerade eine Haltemöglichkeit findet.

Umwelt- und Katastrophenschutz

Einen besonderen Beitrag wird Galileo zum Umweltmonitoring leisten. Durch die steigende Präzision der Ortungssignale lassen sich beispielsweise Umweltverschmutzungen und deren Herkunft besser beobachten und klimatische Veränderungen genauer messen. Auch bei der Überwachung von Gletschern und Vulkanen haben satellitengestützte Analysen ihren Nutzen bereits bewiesen. Hinzu kommen die Beobachtung von seismischen Aktivitäten und der Hochwasserschutz. Im maritimen Bereich lassen sich durch Galileo Fischbestände kontrollieren und so die Einhaltung von Schutzzonen überwachen.

Energie

Die Energiewirtschaft wird vor allem bei der effizienten Planung und Auslastung der Leitungsnetze profitieren. Dabei macht man sich insbesondere die exakte Zeitübermittlung des Galileo Signals zunutze. So lassen sich die Netze optimal auslasten und überwachen, um beim Ausfall eines Teilsegments schnell reagieren zu können. Da Überlastungen zu fatalen Ausfällen in der Stromversorgung führen können, ist gerade beim Betreiben von Stromnetzen die exakte Synchronisation von höchster Bedeutung. Bei der Erkundung neuer Förderfelder fossiler Energieträger wird Galileo wichtige Beiträge leisten.

Bauwesen und Planung

Galileo Signale werden auch im Bauwesen zu wichtigen Verbesserungen führen. So können anhand der genauen Signale strukturelle Veränderungen an Bauwerken wie Hochhäusern, Brücken und Staudämmen überwacht werden. Auch bei Baugrunduntersuchungen und Beurteilungen von Hangstabilitäten wird Galileo das Spektrum der vorhandenen Messinstrumente erweitern. Im Bereich von Großbaustellen wird zunehmend Satellitennavigation eingesetzt, um den logistischen Ablauf und die Bewegungen der einzelnen Baufahrzeuge optimal zu koordinieren. Auch bei der Planung von Baumaßnahmen, wie zum Beispiel der Datenerfassung im Gelände, wird Galileo die heute im Einsatz befindlichen Systeme ersetzen.

Land- und Forstwirtschaft

Große Einsparungen in der Landwirtschaft lassen sich vor allem durch den punktgenauen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erreichen. Das unter dem Schlagwort "precision farming" bekannte Verfahren bezeichnet allgemein die präzise Steuerung landwirtschaftlicher Nutzfahrzeuge. Auch bei der Aussaat kommt so vermehrt Satellitennavigation zum Einsatz. Das Saatgut wird gezielt ausgesät, anhand der eingespeicherten Werte werden das Wachstum und der spätere Ertrag kontrolliert. Im Forstbereich sind GPS-Anwendungen verbreitet. Sie optimieren den Einschlag und den Abtransport des Holzes.

Sicherheit

Sicherheitsrelevante Anwendungen betreffen neben der effizienten Verkehrsüberwachung zum Beispiel von Gefahrguttransporten vor allem die Lebensrettung zu Land, zu Wasser und in der Luft. Eine schnelle Reaktion auf Notrufe ist lebenswichtig. Um dies zu unterstützen, kann Galileo neben der Übermittlung der exakten Position auch kleine Datenmengen von der Rettungsleitstelle an das Gerät, von dem der Notruf abgeschickt wurde, zurücksenden. Die Datenübertragung in beide Richtungen ist eine grundlegende Neuerung im Gegensatz zu GPS.

Medizin

Neue Anwendungsmöglichkeiten durch Galileo werden besonders im Bereich der Überwachung und Fernbehandlung von Patienten gesehen. Geräte, die mittels Galileo die eigene Position bestimmen und diese Information samt Angaben zum Gesundheitszustand des Patienten an eine zentrale Leitstelle weiterreichen, ermöglichen eine effiziente und kostensparende Betreuung von Patienten.